Jean-Christophe Budin erklärt die Netzwerktechnologien, die die kommenden Jahre prägen werden
Die Welt der Konnektivität befindet sich im Umbruch – besonders in der Unternehmenswelt. Mit dem Aufkommen von WiFi 7, der flächendeckenden Einführung von 5G (und den ersten Vorboten der 6G), dem Aufschwung privater Netzwerke und satellitengestützter Lösungen wie Starlink ist das Angebot vielfältig … und komplex. Besonders für IT-Leiter und CIOs, die heute eine nachhaltige Strategie für morgen entwickeln wollen.
Wie werden sich diese Technologien weiterentwickeln? Und welche davon passen am besten zu Ihren Anforderungen?
Jean-Christophe Budin, VP Product bei Weblib, analysiert für Sie die Trends, die Ihre Netzwerkinfrastrukturen in den kommenden Jahren maßgeblich beeinflussen werden.
Backhaul vs. lokale Verteilung
Bevor wir in die technologische Zukunft blicken, ist es wichtig, den Unterschied zwischen Backhaul und lokaler Verteilung zu verstehen. Backhaul bezeichnet die Infrastruktur, die die Internetverbindung bis zu Ihrem Standort bringt (z. B. Glasfaser, Richtfunk, feste 4G/5G-Verbindungen, Satellitenverbindungen wie Starlink). Die lokale Verteilung hingegen betrifft Technologien, die diese Konnektivität innerhalb Ihrer Räumlichkeiten verteilen (hauptsächlich Wi-Fi, aber auch kabelgebundenes Ethernet).
„Während Glasfaser weiterhin der Standard für festen Backhaul ist, gewinnen drahtlose (5G) und satellitengestützte Lösungen an Bedeutung, um temporäre Standorte (Baustellen, Veranstaltungen) oder unterversorgte Gebiete schnell zu verbinden und neue Flexibilität zu bieten. Für die interne Verteilung bleibt WiFi jedoch der dominierende Akteur und wird es voraussichtlich auch in den kommenden Jahren bleiben. Das Verständnis dieses Unterschieds ist der erste Schritt zur Entwicklung einer kohärenten Netzwerkstrategie.“
Schnellere Mobilfunknetze, jedoch mit Einschränkungen im Innenbereich
Die 5G SA (Stand Alone, oft als „echtes 5G“ oder „5G+“ bezeichnet) und zukünftig 6G versprechen höhere Geschwindigkeiten und geringere Latenzzeiten. Um diese Leistungen zu erreichen, nutzen diese Technologien immer höhere Frequenzbänder. Ein Nachteil dabei ist, dass höhere Frequenzen weniger effektiv durch Hindernisse wie moderne Gebäudewände dringen.
Für Unternehmen bedeutet das: Die natürliche 5G/6G-Abdeckung in Innenräumen wird oft enttäuschend sein und möglicherweise weit von den theoretisch angekündigten Geschwindigkeiten entfernt. Um die Vorteile von 5G in Innenräumen voll auszuschöpfen, sind spezifische Investitionen in verteilte Antennensysteme (DAS) oder Small Cells erforderlich, die jedoch teuer und komplex in der Umsetzung sind.
„WiFi bleibt daher die bevorzugte und zuverlässigste Lösung für leistungsfähige Konnektivität in Innenräumen, selbst bis ins Jahr 2030.“
Langsames Wachstum privater Netzwerke
Neben dem öffentlichen 5G-Netz entsteht langsam ein Trend zu privaten 5G-Netzen. Der Vorteil: Der Aufbau eines Netzwerks, das speziell auf die Bedürfnisse eines Unternehmens an einem bestimmten Standort (Fabrik, Lager, Hafen, Flughafen, Campus) zugeschnitten ist – insbesondere wenn große Flächen abgedeckt werden müssen, wo herkömmliches WiFi an seine Grenzen stößt. Das Wachstum wird durch die Freigabe von Frequenzen für Unternehmen durch Regulierungsbehörden und Technologien wie Open RAN begünstigt, die die Bereitstellungskosten senken. Open RAN basiert auf der Trennung von Hardware und Software sowie der Virtualisierung, um Innovation, Wettbewerb und Flexibilität im Mobilfunknetz zu fördern.
„In der Praxis werden private 5G-Netze hauptsächlich spezifische Lösungen für betriebliche und kritische Anwendungen in der Industrie darstellen und nicht als Ersatz für WiFi im Büro oder für den Besucherzugang dienen.“
Open Roaming: Eine vielversprechende, aber noch nicht weit verbreitete Lösung
Wer hat nicht schon davon geträumt, nahtlos von einem WiFi-Netzwerk zum anderen oder vom Mobilfunknetz zum WiFi zu wechseln, ohne Unterbrechungen oder erneute Authentifizierung? Das ist das Versprechen von Initiativen wie Open Roaming. Die Idee ist, eine einmalige und sichere Authentifizierung über verschiedene Partner-WiFi-Netzwerke hinweg zu ermöglichen, oft unter Verwendung von Informationen des Mobilfunkanbieters oder anderer Identitätsanbieter. Diese Herangehensweise wird durch die Passpoint-Technologie ermöglicht, ein Protokoll der WiFi Alliance, das es mobilen Geräten erlaubt, WiFi-Zugangspunkte zu erkennen und sich automatisch zu authentifizieren. Obwohl diese Idee verlockend ist, um die Benutzererfahrung zu verbessern, verläuft die großflächige Einführung langsam. Hindernisse sind unter anderem die Komplexität der Geschäftsmodelle (wer zahlt für den Roaming-Verkehr?), Sicherheits- und Datenschutzprobleme zwischen den Akteuren und die Fragmentierung des globalen Ökosystems. In geschlossenen Umgebungen (z. B. in Geschäften) ist es jedoch wahrscheinlich, dass in den kommenden Jahren die automatische und sichere Verbindung über die mobile App des Ortes dank derselben Passpoint-Technologie zunimmt, um das Problem der fehlenden Indoor-Abdeckung zu lösen.
Die wachsende Bedeutung der gesellschaftlichen und ökologischen Verantwortung (CSR)
Über die reine Leistung hinaus wird ein Kriterium in den kommenden Jahren eine entscheidende Rolle bei der Wahl von Netzwerkinfrastrukturen spielen: die gesellschaftliche und ökologische Verantwortung (Corporate Social Responsibility – CSR). Unternehmen werden zunehmend unter Beobachtung stehen – und oft auch durch gesetzliche Vorgaben dazu verpflichtet sein –, ihre Umweltwirkungen offenzulegen und zu reduzieren. Dies wird sich konkret in Ausschreibungen widerspiegeln, bei denen auf den Energieverbrauch von Geräten (z. B. Wi-Fi-Zugangspunkte, Switches, Netzwerk-Kernkomponenten) sowie auf die Lebenszyklusanalyse der Hardware (Ökodesign, Langlebigkeit, Recyclingfähigkeit) geachtet wird.
„Die Wahl einer Technologie oder eines Anbieters wird somit zu einer bewussten Entscheidung. Energiesparende Netzwerklösungen, die auf Langlebigkeit ausgelegt sind und eine kontrollierte CO₂-Bilanz aufweisen, werden zu einem Wettbewerbsvorteil und zu einem zentralen Bestandteil der globalen CSR-Strategie eines Unternehmens.“
Der Beitrag der Künstlichen Intelligenz zum Netzwerkmanagement
Die zunehmende Komplexität von Unternehmensnetzwerken erfordert zwangsläufig intelligentere Management-Tools. Hier kommt die Künstliche Intelligenz (KI) ins Spiel – häufig unter dem Begriff AIOps (Artificial Intelligence for IT Operations). KI verspricht, das Netzwerkmanagement durch prädiktive Analysen deutlich zu verbessern, indem sie zum Beispiel Ausfälle oder Überlastungen antizipiert, bevor diese die Nutzer beeinträchtigen. Dynamische Optimierung ermöglicht es, Funkressourcen (WiFi, 5G) und die Servicequalität in Echtzeit an die Nutzung und die aktuellen Bedingungen anzupassen. Anomalieerkennung hilft, sicherheitsrelevante Auffälligkeiten oder Leistungseinbußen frühzeitig zu identifizieren, während Automatisierung repetitive Aufgaben wie Konfiguration, Updates und Wartung vereinfacht.
„KI wird Netzwerkspezialisten nicht ersetzen, aber sie mit leistungsstarken Werkzeugen ausstatten, um immer komplexere und anspruchsvollere Umgebungen effizient zu verwalten. Das wird sich auch positiv auf die Systeme zur Aufrechterhaltung des Betriebs (MCO – Maintien en Conditions Opérationnelles) auswirken.“
Eine Zukunft im Zeichen der Komplementarität
Die Zukunft der Unternehmenskonnektivität bis 2030 wird nicht von einer einzigen Technologie dominiert, sondern von einem intelligenten Zusammenspiel und der Komplementarität verschiedener Optionen geprägt sein: Glasfaser, 5G/6G (öffentlich und privat), Wi-Fi 6/7 sowie Satellitenlösungen. Die Herausforderung für Unternehmen besteht darin, die Besonderheiten jeder Technologie zu verstehen und gezielt jene Lösungen auszuwählen, die den spezifischen Anforderungen, Einsatzszenarien, Umgebungen und Servicelevels gerecht werden. Bereits bei der Entwicklung einer Netzwerkstrategie müssen zudem Aspekte der Sicherheit und Nachhaltigkeit (CSR) berücksichtigt werden.
Mit dieser Komplexität umzugehen, erfordert fundiertes Fachwissen. Bei Weblib und Ucopia unterstützen wir Unternehmen bei der Definition und Umsetzung nachhaltiger, leistungsfähiger Netzwerkstrategien – maßgeschneidert für die Herausforderungen von heute und morgen. Ob Sie Ihre WiFi-Abdeckung optimieren, Gastzugänge mit bewährten Lösungen wie Ucopia absichern und verwalten oder sichere Verbindungen ohne Captive Portal mit App Connect realisieren möchten – wir haben die passende Lösung für Sie!
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